Frank Heinz - Posaunist und Komponist
Stuttgarter Zeitung, 10.01.2006 Nr 7
Von Ulrich Kriest

Stimmungsvoll durchs Herbstlaub

Frank Heinz Group im Merlin

Von Ulrich Kriest

Mit einem viel versprechenden Leckerbissen, der allerdings schon ein paar dutzend Zuhörer mehr verdient gehabt hatte, eröffnete die IG Jazz am Samstagabend im Merlin ihre neue Konzertsaison. Auf dem Programm stand ein Auftritt der Frank Heinz Group, die gerade ihr zweites Album in Arbeit hat. Auf dem Debüt „Wolkenrad" von 2003 hatten die Musiker um den Posaunisten Frank Heinz mit ausgeklügelten und sehr nuancierten, dabei aber offenen Kompositionen dem Herbst gehuldigt. Davon zeugen Titel wie "Herbstseele" oder "Mondtanz", die sich noch im Programm finden. „Herbst" - das verbindet hier das kalte stille Grau des Außen mit der wohlig reichen Farbigkeit des Innen" (Albumcover). Passend dazu die Musik des Quartetts, die sich immer wieder die Zeit nimmt, die Zwischenräume zwischen den Tönen dramaturgisch zu nutzen um dem Gespielten das gebührende Gewicht zu  verleihen. Da ist die Posaune des Leaders, der die Sprachnähe seines Instruments erprobt, was gerade in der wiederholt gewählten Duoform zu intensiven Ergebnissen führt. Der Pianist Ull Möck spielt dazu melodiös, setzt Akzente und changiert zwischen Klassik und Latin. Der Schlagzeuger Lutz Gross lässt sich an diesem Abend immer wieder auf melodiöse Zwiegespräche mit seinen Mitspielern ein, arbeitet viel perkussiv an den Becken und ist doch stets bereit, durch Tempowechsel dem Spiel die entscheidende Richtung zu weisen. Der Bassist Martin Simon geht zunächst im Gesamtsound der Band etwas unter, dafür brilliert er bei "Grossvaders Gschicht"— einem famosen Duett mit Frank Heinz. Zwei ausführliche Sets werden gespielt, die Pause fällt etwas länger aus, weil so viele Bekannte der Musiker im Publikum sitzen. Was Heinz zur Bemerkung veranlasst,  er könne die meisten Anwesenden mit Handschlag und Namen begrüßen. Doch die Band beschränkt sich nicht auf das sensible Ausmalen impressionistischer Naturerfahrungen. Immer wieder schleichen sich spannungsreich fremde Rhythmen ins Spiel, dann beginnt die Frank Heinz Group - von Lutz Gross unaufhörlich vorangetrieben -zu grooven.  Da kann man dann Souljazz-Einflüsse hören, wenn Möck mit leichter Hand Bluesfiguren steigernd wiederholt, während Heinz geradezu funky mit der Posaune  dessen melodische Einfälle aufgreift und durchknetet. An diesem Abend zeigte die Band viele Gesichter, die über das melancholische Herbstprogramm „Wolkenrad'' hinausweisen und eine scharfe Trennung von drinnen und draußen negieren. Um im Bild zu bleiben: die Musik mag noch drinnen sitzen, aber ihr Blick geht unruhig und unternehmenslustig nach draußen durch die Nacht

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